“Was denkst du gerade?”

“Was machen die Männer?”

“Was suchst du?”

“Warum hast du keine Kinder?”

“Warum schreibst du?”

“Warum bist du Designer?”

“Was willst du damit bezwecken?”

“Warum hast du Länder bereist und keine Familie gegründet?”

“Wie stellst du dir das in Zukunft vor?”

“Bist du schlank, weil du nichts isst?”

“Was ist dein Plan?”

“Warum guckst du so?”

“Wieso machst du das so und nicht anders?”

“Und sonst so?”

“Warum bist du noch hier?”

“Kann man davon leben?”

“Ist dein Buch schon verlegt?”

“Warum hast du einen Blog?”

“Warum kannst du nicht anders sein?”

“Weshalb denkst du, wie du denkst?”

“Hast du schon mal mit ner Frau? Du wohnst doch in Berlin.”

“Warum hast du mehrere Lesebrillen?”

“Wer sind deine Idole? Hast du Vorbilder?”

“Wann hattest du das letzte mal Sex?”

“Lebst du in Kreuzberg aus Gründen?”

“Warum rauchst du?”

“Warum bist du Single? Ist das deine Lebenseinstellung?”

“Wieso twitterst du?”

“Weshalb verstehe ich nicht alles, was du tust?”

“Wieso interessierst du dich für moderne Kunst?”

“War das Ironie?”

“Bist du auch auf der Suche nach dir selbst?”

“Warum hast du eine Meinung?”

“Hast du überhaupt schon was erlebt, dass du so redest?”

“Warst du schon mal in einem Swingerclub? Du lebst schließlich in Berlin.”

“Wieso bist du kreativ?”

“Warum hast du so viel (hohe) Schuhe?”

“Bist du auch eine von diesen Emanzen, die sich ständig beweisen müssen?”

“Kannst du mir deinen Humor erklären?”

“Bist du Russin, weil du u.a. über die deutschen Medien schreibst?”

“Woher kommst du, wohin gehst du?”

“Warum schreibst du keine Lyrik?”

“Warum bist du in manchen Texten gesellschaftskritisch?”

“Hast du Gefühle?”

“Warum beobachtest du gerne?”

“Wie alt bist du überhaupt, so etwas zu sagen?”

“Wieso hast du einen Doppelnamen? Warst du schon mal verheiratet oder willst du was besseres sein?”

 

Weil.

© Blank

Verlegerinnen, die mich nachts besoffen anrufen, mit den Worten, sie sein die Wiedergeburt Jesu. Frauen, die mal in eine andere Frau per Mail verliebt waren und behaupten, die andere da, sei doch vom Teufel besessen. Eine Geschichte über zwei Personen, die nicht mehr miteinander reden, aber bei jedem, den sie virtuell greifen können, übereinander, bis man vom ungewollten Zuhören platzt. Personen, die einen auf Freund machen wollen, nur weil man drei Tage virtuell miteinander verbunden ist. Männer, die mich ausfragen wollen, um mir im Anschluß durch gering erhaltene Informationen meinerseits zu unterstellen, als kindlose Frau unglücklich zu sein. Leute, die mir Mails schicken, in denen sie Namen mir fremder Menschen erwähnen und jene schon komplett durch analysiert haben. Und dann noch solche, die sich einschleimen, um einen arbeitstechnisch zu nutzen, nichts zahlen wollen, wertvolle Zeit klauen, um jenen dann bei einem ausgesprochenen “Nein” seinerseits (ergo einer Absage) als “Energievampir”  betiteln zu können. Herrschaftszeiten! Hab genug mit meinem Leben zu tun und solch Quatsch bremst meine Kreativität nicht nur, es raubt mir Energie. Verheiratete Männer, die ihre Glückseligkeit betonen, aber wohl den ganzen Tag mit Fremden am Chatten sind. Frauen, die nach aussen ach so spirituelle Tweets schreiben, hintenrum aber über jeden (!) eine Geschichte wissen, diese mitteilen, ob man es Lesen will oder nicht.

Urteilen, so viel schnelles Urteilen. Sturteilen. Ich sage jedem direkt, was ich auch anderen sage, aber viele beheucheln nach vorn und lästern hintenrum. Man könnte ja seinen Status verlieren. Der hat ein Drogenproblem, die war schon immer so, der ist ein Macho, ein Chauvinist, die ist krank und Harry will nur Sex, während Susanne komplett untervögelt ist. Hallo? Ich bin nicht heilig, aber so was kotzt mich an, das Urteilen über wildfremde Menschen. Unter den Urteilenden sind gar jene, die offen zugeben, Cybermobbing, erlebt zu haben, aber das stoppt wohl keinen dieser Menschen. Intrigieren aus Einsamkeit. Sinntrigieren – wohl auch aus Langeweile? Einsamkeit ist keine Schande, aber bitte richtig reflektieren und nicht zu viel in Fremde (s) projizieren – oder Dritte in Ruhe lassen und die Fresse halten. Nee, geht anscheinend nicht. Bei mir, so wird mir nachgesagt, weiß man sofort, woran man ist. (Danke.) Ich sage offen, wenn mir was nicht passt, das mag zwar nicht jeder, aber ich kann wenigstens in den Spiegel schauen, weil ich mir selbst treu bleibe. Immerhin etwas. (Manche wollen aber anscheinend lieber angeflunkert werden.)

Social Media ist auch nur ein durch das Nadelöhr gepresster Spiegel der Gesellschaft. Menschen also. Menschen mag ich wirklich sehr gerne, ihre Geschichten interessieren mich – ich bin ein Hobbysoziologe und philosophiere gerne –  einige dieser Menschen haben auch Vorteile, aber bei manchen ihrer Spielchen mag ich schlicht nicht mitmachen. Das langweilt mich. Sie wiederholen sich so oder so, diese Spielchen. Nur die Gesichter sind andere. (Hinterhältiger “unbedarfter ” Tratsch ist etwas, was mir seit meiner Kindheit ein rotes Tuch ist.) Fremden Personen Stempel aufdrücken, welche man sich aus Fragmenten und Trichterblicken einfach mal so zusammenreimt. Wie Bausteine. Hinter jedem Avatar steckt aber ein Mensch und keine Maschine.

Einfach mal sich selbst nicht so ernst zu nehmen und aufhören, fremde Menschen zu be- oder verurteilen? Oder vielleicht manch andere in Ruhe lassen? Und ein Stopsignal derer akzeptieren? Sich bei realen Freunden auskotzen? Sich selbst analysieren? Über sich selbst lachen? Kann helfen! Für mich wirkt da mittlerweile nur noch eine Methode, wer belästigt oder nur im Ansatz nervt, wird ignoriert. Ich kann und will damit nicht umgehen. Ich tanze daher lieber den Distanz.

© Blank

 

Hallo Mensch, Sie rufen ausserhalb unserer Geschäftszeiten an. Diese sind Montags von 8-9 Uhr und von 14-16 Uhr, Dienstags bis Donnerstags von 10-12 Uhr und Freitags von 16-18 Uhr. Leider sind nun alle unsere Plätze besetzt, bitte warten Sie und lauschen Sie der Untergrundmusik. Bitte warten Sie. Bitte warten Sie. Aufgelegt. Hallo, bitte rufen Sie später noch mal an, tippen Sie 1, um dorthin zu gelangen, 2, um hierhin zu gelangen, 3, um weiterhin der Musik im Loop zuzuhören, 3, wenn Sie einen Rückruf möchten, oder 4, um morgen wieder anrufen zu können. Wenn Sie das nicht möchten, geben Sie nicht auf, bitte bleiben Sie in der Leitung. Sie sind noch immer dran? Ja, heute nach 16 Uhr bitte noch mal anrufen oder dann morgen zwischen 9.30 und 9.45. Leider sind Sie zwar richtig verbunden, müssen aber noch warten, probieren Sie es noch mal oder tippen Sie jetzt 0, um weiter zu warten. Dienstleistung ist unser oberstes Gebot, bleiben Sie dran. Hallo, einen Moment bitte, wie war Ihr Name noch mal? Mit “Ue”? Warum mit “Ue” und nicht mit “Ü”? Ein Doppelname? Das hat man jetzt aber nicht mehr, das wissen Sie aber schon, oder? Sind Sie verheiratet? Doppelnamen hatte man in den Achtzigern. Können Sie später noch mal anrufen? Bitte warten Sie. Bitte warten Sie doch. Es tut sich was. Legen Sie nicht auf. Wir verbinden Sie jetzt. Warum haben Sie 1 getippt und nicht 2? Wie? Das, was Sie wollen, steht nicht zur Auswahl? Eine Information? Da sind Sie falsch verbunden, wir sind dafür nicht zuständig. Hier eine neue Nummer. Bitte rufen Sie dort an, es kann unter Umständen aber zu längeren Wartezeiten kommen. Halten Sie Ihre Kundennummer bereit und sprechen Sie nicht zu langsam, sonst sind Sie wieder weg. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Hallo, Sie rufen ausserhalb unserer Geschäftszeiten an, diese sind nur Montags und Freitags zwischen 18.00 und 18.15 Uhr. Bitte warten Sie. Leider sind alle Plätze belegt. Nun haben Sie zu lange gewartet, probieren Sie es morgen noch mal. Bewahren Sie Ruhe. Drehen Sie nicht durch, warten Sie einfach. Wir schalten nun die Musik ein, legen Sie nicht auf, wir sind gleich für Sie da. Wie ist Ihr Name? Komischer Name. Wir notieren es und rufen Sie morgen zurück. Sie wurden nicht zurück gerufen? Das tut uns leid, warten Sie einen Moment, wir sind gleich für Sie da, bewegen Sie sich nicht vom Fleck. Was wollen Sie? Diese Welt ist in Ihrem Land leider nicht verfügbar. Ruhig, Brauner. Wer sind Sie? Ein Kunde? Von uns? Dann warten Sie bitte noch mal, wir verbinden Sie gleich. Wie, Sie drehen gleich durch, weil Sie seit Wochen hier anrufen? Beruhigen Sie sich doch oder rufen Sie einfach nicht mehr an. Wir kommen gleich zur Sache, warten Sie vielleicht doch noch einen Moment. Nein, legen Sie nicht auf, wir sind immer für Sie da. Was wollen Sie? Bitte warten Sie, so kommen Sie doch.

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Ich bin ja nun schon wirklich lange im Netz unterwegs und könnte fast als beratender “Social Media Berater-Berater-Berater” durchgehen. Irgendwann habe ich mich jedoch von jenem Teil der Mediengestaltung und -produktion bewusst distanziert. Doch bin ich gerade durch die intensive Nutzung des Netzes (und der Passion des Schreibens) ein Verfechter der Sprache geworden und habe im Laufe der Jahre einen sprachlichen Fetisch entwickelt, welchen ich gerne noch weiter verbessern möchte. Die beliebte “Kleinschreibweise”, die für mich mittlerweile viel mit Faulheit zu tun hat, habe ich schon hinter mir, die Abkürzungen sowieso. Anglizismen stören mich auch nicht mehr, es sei denn, sie werden komplett falsch oder übertrieben eingesetzt. Das ist auch nicht weiter tragisch, wenn ich diese Art der Schreibweise lesen muss – ich zumindest, verzichte bewusst darauf.
Doch was mich manchmal wirklich kirre macht, ist das, was ich selbst bei Twitter unter den “Replies” oder in Blogs unter den Kommentaren lesen muss: eine kindlich naive Sprach- bzw. Schreibweise, die mir die Haare zu Berge stehen lässt. Selbst unter normal kommunizierenden Menschen, die schnell schreiben, muss das doch wirklich nicht sein, so viel Zeit kann man sich doch bitte schön noch nehmen und statt “Haben will” lieber “Das möchte ich gerne” oder “Das gefällt mir” schreiben. Wenn ich dann jedoch noch “Kuscheln will”, “Eis rüber reich” und “Eisabschleck, nickt” lesen muss, stelle ich die Intelligenz der durchschnittlich dreissig- bis vierzigjährigen Verfasser sehr in Frage. Ich kann so zumindest nicht kommunizieren, nicht nur weil mir ein Stöhnen entfleucht, sondern auch, weil es mein Feingefühl für Sprache sehr verletzt.
“Rotfl”, “Muhaha”, “^^”,*gg*, “o;)” lese ich zum Glück nicht mehr, obwohl auch da das letztere in dieser Auflistung sich ab und an gerne noch sichten lässt und regelrechte Brechreize in meinem Magen auslösen kann.
Ein “Will du auch haben?”, “Kann du Kuscheln schicken?” oder ein “Löffelnehmundprobier” übersteigt jedoch meine Schmerzgrenze bei Weitem. Sagt mal, geht’s noch? Sind wir im Kindergarten? Fehlt diesen Verfassern irgendwas Lebensnotwendiges oder läuft an ihnen vielleicht gerade etwas Bedrohliches vorbei? Sehen sie nachts wohl auch noch vor dem Schlafengehen unter dem Bett nach, ob da böse Monster versteckt sind? Hilfe!
In meinen Kreisen und Kontakten gibt es diese Art der “Kommunikation” zum Glück ja nicht, aber an manchen Tagen begegnet sie mir unweigerlich zwischen den Zeilen dessen, was ich so lese – und ich bin entsetzt. Das ist nicht lustig. Wirklich nicht. “Süss” war mit Fünf – und selbst da wollte ich nicht, dass jemand so mit mir redet. Vielleicht haben diese Menschen noch vieles aus der Kindheit nachzuholen oder die Zeit nicht vorbei laufen hören. Ich will es nicht mal wissen, ich finde es einfach nur grausam.

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Mir ist so wunderbar nach Fresse halten,
wünscht ich mir doch in Momenten wie diesen,
die ganze Welt wär’ einfach mal ruhig,
nur für einen Augenblick,
für einen Tag oder ein paar Stunden…

Keine Kommunikation im Aussen,
angenehmes Schweigen.

Stille ist heutzutage ebenso kostbar wie Zeit.

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Wir standen an der Ampel, und als diese auf Grün umschaltete, fuhr der Volkswagen Käfer vor uns nicht los. Joy, meine Mitbewohnerin, hupte laut. Nichts passierte. Keine Reaktion. So griff sie ins Lenkrad und manövrierte den Ford Mustang, in dem wir saßen, an dem Wagen vorbei.
Beim Überholen sahen wir schließlich, warum der Fahrer nicht weitergefahren war.
Er war tot. Blut lief an seinem Hals entlang.
Ein “Drive-By” Shooting.

Ein ander Mal waren wir zu einer Party eingeladen, mitten in Downtown Los Angeles, in den alten Fabrikhallen aus den dreissiger Jahren, in welchen viele Künstler seinerzeit ihre Ateliers hatten. Als wir durch ein paar kleinere Straßen des Viertels fuhren und in eine weitere abbogen, hielt das Auto vor uns plötzlich mitten in der Fahrt an. Es fuhr nicht zur Seite, um uns vorbeizulassen, sondern blieb einfach mitten auf der Straße stehen – die Lichter gingen aus. Ich dachte (was jeder in dem Moment denken würde), es sei sicher etwas technisch nicht in Ordnung und wollte anhalten, um auszusteigen. Yuno, meine japanische Studienfreundin, hielt mich zurück. “Fahr weiter. Halt bloß nicht an!”, warnte sie mich. Da sie schon länger in Los Angeles lebte, glaubte ich ihr, war die Stadt doch so unberechenbar.
Gefahr lauert an jeder Ecke.
So fuhren wir weiter, zur Party, und feierten ausgiebig bis zum Morgengrauen.
Am kommenden Tag erschien ein Artikel in der Los Angeles Times, in welchem von einer neuen Gang berichtet wurde, die es sich zum Spaß machte, mitten in der Fahrt zu stoppen, um dann, falls ein Autofahrer (aus Besorgnis) anhalten würde (um nach dem Rechten zu sehen), diese Person kaltblütig abzuknallen.

Gangs (bewaffnete, teils extrem gefährliche Strassenbanden) gehören einfach zu dieser Stadt, ebenso wie meterhohe Palmen, Smog, Bauhaus Architektur, Drive-In Kinos, California Beach Feeling, illegal eingewanderte Mexikaner und Erdbeben (letzteres durfte ich ebenfalls live miterleben).

Eines Tages bin ich schließlich in einen Waffenladen gegangen, um mir ein Verteidigungsspray zu besorgen. Ich bekam es nicht. Schlicht mit der Begründung: “Zu viel Missbrauch für kriminelle Zwecke.”, so die Worte des dickbäuchigen Eigentümers, der, mit Baseball Kappe auf dem Kopf und einer dicken rauchenden Zigarre im Mund, schwer atmend, hinter seiner Ladentheke stand. Eine Pistole hätte ich jedoch haben können. Wollte ich aber nicht.

Zu einer anderen Zeit war ich mit Freunden in Santa Monica unterwegs, wir befanden uns in West Hollywood zurück auf den Weg nach Pasadena. Es war zwei Uhr morgens. Als wir an der Ampel standen, blickte ich auf die Seite und sah einen drogensüchtigen Farbigen an der Ecke eines Hauses lehnen. Seine Kleidung war extrem verschmutzt, seine Augen sahen nach Crack aus, zwei dunkle Höhlen in einem zerfurchten vor Dreck verschmierten Gesicht. Vertrocknetes Blut hing an seiner Wange. Er hielt ein kleines Baby in den Armen. Der Säugling war sauber angezogen, wirkte gepflegt, gut versorgt, und war höchstens drei Monate alt. Neben dem Mann stand ein (höchstens vierzehnjähriges) farbiges und sehr mageres Mädchen – ebenso heruntergekommen im Anblick, gekleidet in einem kurzen Plastikrock, halterlosen Strümpfen und roten Overknee-Stiefeln aus Lack.
Ich sah ihn erstaunt an, eine derartige Kombination dreier Menschen sieht man ja nicht alle Tage, war das kleine Kind doch weißhäutig und passte irgendwie nicht recht in das mir dargebotene Szenario. Er bemerkte meinen Blick, langte sofort in seine Jackentasche (wie es schien, um dort nach “etwas zu suchen”) und warf mir einen warnenden, furchteinflößenden Blick zu. Seine Augen schienen dunkel und böse, seine Mimik zornig und aggressiv. Sofort blickte ich weg. Zu gefährlich. Das war eine Art Blick, wie man ihn sehr schnell in dieser Stadt kennen lernt. Ein Warnschuss.
Ein Blick, der tatsächlich (!) töten kann.

Zu Beginn meiner Zeit in Los Angeles war ich mir der Gefahren dieser Stadt noch nicht bewusst. Irgendwann, in jenen ersten Wochen dort, als ich wieder mal in der glühenden Mittagshitze von der Uni nach Hause fuhr, stoppte ich bei einem Liquor Store, um mir Zigaretten zu besorgen. Ich zahlte, und – da ich nicht mit einem derartigen Ereignis rechnete – wunderte ich mich lediglich, warum ein paar Typen so hektisch umher eilten und schließlich, unter lautem Geschrei, aus dem Shop rannten. Als ich aus dem Laden trat, war ich plötzlich mitten in einer Schiesserei. Zwei Typen versteckten sich hinter einem Auto, das ungefähr zehn Meter vom Eingang entfernt stand. Drei andere waren auf der gegenüberliegenden Strassenseite hinter einem anderen Auto. Alle schossen aufeinander, wer in welche Richtung, konnte ich in dem Trubel jedoch nicht erkennen. Ein Mann zog mich in den Laden zurück.
So schnell, wie alles angefangen hatte, war es auch wieder vorbei.

Abends wird es in Los Angeles sehr schnell dunkel. Schon um achtzehn Uhr. Meinen Hund, einen Husky, den ich damals hatte, führte ich nur bis zu dieser Zeit spazieren, nie danach. Man weiß in dieser Stadt nie, wer und was um die nächste Straßenecke auf einen warten könnte. Ich bin wirklich nicht der ängstliche Typ, in New York bin ich Jahre später, morgens um vier, mitten durch eine bewaffnete Gang spaziert. Sie haben mir nichts getan, machten mir den Weg frei, eben weil ich keine Angst zeigte, und einen Blick “aufsetzte”, den man mir zuvor in Los Angeles beigebracht hatte.

Los Angeles ist tatsächlich oft wie ein David Lynch Film.
Kennt man die Stadt, versteht man seine Filme.

Die Stadt der Engel.

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Je mehr manche Menschen Liebe ein-fordern,
umso weniger haben sie sie verstanden.

Bist du in einem Käfig? Dann geh raus.

Fühlst du dich gefangen? Dann befreie dich.

Der Liebe nachrennen, gieren, schreien,
lechzen, hoffen und geifern.

Sie schlicht überfordern.

Liebe ist kein Objekt.

Bleibt alles leer, solange man sich
nicht selbst lieben kann.

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Un-

Es gibt sie in allen Variationen. Gegenüber sich selbst,
gegenüber den Mitmenschen, gegenüber dem Leben:

Die Ungeduld.

Ungeduld kann…
… hart wirken.
… erdrücken.
… ent-zaubern.
… einem Anfang ein Ende setzen.
… hetzen.
… zu viel erwarten.
… nicht los lassen.
… anspannen.
… nicht schöpfen.
… scheinbar schwer akzeptieren.
… un-frei machen.
… überspannen.
… nicht tolerieren, wie jemand ist.
… aus-bremsen.
… nicht fließen (lassen).
… hemmen.
… unterdrücken.
… anstrengen.
… Entwicklung stoppen.
… zerren.
… humorfrei sein.
… Chancen zunichte machen.
… überfordern.
… un-entspannen.
… nicht florieren.
… ent-lachen.
… die Luft zum Atmen nehmen.
… einengen.
… und Feinheiten übersehen.

Eine Eigenschaft. Viele Auswirkungen.

Heute einen weisen Satz gelesen: “Ungeduld ist die Schwester jener,
die sich selbst vielleicht zu wichtig nehmen.” (D.Deller)

© Blank

Wenn vermeintliche Fruchtbarkeit eines Projektes, eines Dialogs, einer Freundschaft oder einer Idee in Furchtbarkeit umschlägt, ist es eine wunderbare Tatsache, dass man gehen kann.
So schnell kann das Leben den Buchstaben verdrehen, und der Buchstabe die Richtung.
Einfach so.
© Blank